Ukraine

Bile Lake (30.08-01.09): Ein typisch ukrainisches Wochenende am See

    Nachdem ich tagsüber die Höhlenklöster von Kiew besucht hatte ging es weiter in Richtung Landesinnerem. Iaro’s Freunde haben die Tradition im Sommer an einen See zu fahren, der Mirik’s Familie gehört. Die Eltern haben auch gleichzeitig ein Restaurant und so war auch noch für das leibliche Wohl gesorgt. Den See zu erreichen war nicht gerade einfach. Zuerst mit dem Nachtzug nach Kharkiv. Der Nachtzug ist recht gemütlich mit 4er Schlafkabinen. Die Betten waren sogar groß genug für mich. Ich war mit Dennis in einem Abteil und wir tranken noch einige Bier bevor wir uns dann schlafen legten. Morgens weckte uns eine Zugbegleiterin und wir gingen etwas verschlafen aus dem Zug. An der Zugstation in Kharkiv warteten dann die anderen mit Autos. Die Clique kennt sich vom der Studienzeit in Kharkiv. Wir verteilten uns auf die Autos und fuhren auf immer schmäler werdenden Straßen nochmal 1 1/2 h aufs Land. Irgendwann waren es keine Wege mehr sondern Spuren, die sich durch das Fahren auf der Erde gebildet haben. Ein Auto blieb dann auch in einer Matschgrube stecken. Aber letztendlich kamen wir am See an.

    Zur Ankunft gab es erst einmal eine Runde Wodka zu trinken. Es wurde Volleyball gespielt und ich musste nach ein paar Wodka erst nochmal ein kleines Schläfchen halten. Aufgeweckt wurde ich mit einem super Anblick. Ein voll gedeckter Tisch mit Suppe, Fleisch, Fisch, Gemüse, Salaten. Und obligatorisch dazu natürlich Wodka. Nach dem Essen kam die Sonne raus, wodurch man herrlich ins Wasser springen konnte und eine Runde im See schwimmen. Über den Tag kamen immer wieder neue Leute an. Volleyball, Armdrücken, Football und andere Spiele wurden durch den stetig steigenden Wodkakonsum noch lustiger. Ein Mops war auch am Start, der durch die Anstrengung geschnauft hat als würde er gleich umkippen. Später kamen Mirik‘s Eltern, die mir später erzählten, dass die Hackfleischbällchen von den Schafen gemacht sind, die man auf der anderen Seeseite sieht. Das Essen hat immer sehr gut geschmeckt. Am Abend haben wir am Lagerfeuer zu der Musik, das aus dem Autoradio kam getanzt. Die Stimmung war sehr gut. Nach dem Tag voller Sport, Wodka und Tanzen sind dann alle recht früh in einem überdachten Kobel voller Stroh schlafen gegangen. Am nächsten Tag gab es morgens Fischsuppe, was wie mir gesagt wurde eine Tradition am See ist. Später gab es dann Schaschlik vom Grill. Da ich am nächsten Tag wieder einen Flug hatte musste ich danach leider schon gehen. Andrii und Dennis blieben noch länger am See. Zurück ging es zuerst mit einem Bummelzug nach Kharkiv, wo es, wie mir von den anderen gesagt wurde, auch nicht unüblich ist, dass Ziegen mitfahren oder Hähnchen verkauft wird. Aber es war schon relativ spät und so konnte ich diese Attraktion leider nicht miterleben. Von Kharkiv nach Kiew ging es dann wieder in dem Nachtzug, wie auf der Hinfahrt.

    Kiew (27.8-30.8): Die Stadt der goldenen Klöster und Kathedralen

      In Kiew angekommen ging ich zum Gepäckband und hatte schon an der Passkontrolle kurz mit einem älteren Amerikaner gesprochen. Später stand dieser neben mir am Gepäckband und war ziemlich verloren als sein Gepäck nicht auf dem Gepäckband erschien. John fragte mich, wo er jetzt hingehen sollte wegen dem Gepäck und wo er Landeswährung tauschen könne, da die Wechselbüros schon zu hatten, wo hier das Zentrum ist und ob ich ein Hostel kenne. Ich merkte schnell, dass er Hilfe gut gerbrauchen könnte. Also ging ich mit ihm zum Lost Baggage Claim Schalter und half ihm ein bisschen mit meinem schlechten Russisch aus. Danach wechselte ich ihm einen 50€ Schein in Landeswährung. Da ich wieder zu Iaroslav’s Kumpel Andrii ging und dieser mir ein Taxi gerufen hatte, bat ich John an einfach mitzufahren und dann dort nach einer Bleibe für die Nacht dort in der Nähe zu suchen. Er war natürlich sehr dankbar und fuhr mit. Bei Andrii angekommen bot auch dieser seine Hilfe an und so schlief John auf der Luftmatratze, die eigentlich für mich gedacht war. Ich legte mich zu Andrii dazu.

      Am nächsten Tag traf ich mich dann mit John und machte mit ihm eine kleine Sightseeingtour, was ich ja bei meinem letzten Transitaufenthalt Anfang August nicht geschafft hatte. Nach Russland war endlich mal wieder gutes Wetter (25 Grad). Wir starteten an der Kreshchatnyk Metro Station, wo das Kunstmuseum, eines der drei Nationaltheater und das Regierungsgebäude steht. Über den Maidan Nezalezhnosti Platz liefen wir zur St. Michaels Kathedrale und anschließend fuhren wir mit der Zahnradbahn an Hafen des Dnipro Flusses. Die St. Nikolai Kirche, die wie viel Gebäude der orthodoxen Kirche mit typisch goldenem Dach versehen ist, wurde auf einer Plattform im Fluss erbaut. Im Hintergrund die Hafenbrücke, die aufklappbar ist. Etwas weiter am Fluss entlang fanden wir einen schönen Garten, der zwar für ukrainische Verhältnisse recht teuer, aber für uns noch akzeptabel war (Kleines Bier 1,90€ / Sphagetti Carbonara 5,50€). John lud mich ein und dankte nochmal für die Hilfe. Später fuhr ich wieder zurück zu Andrii, wo das Abendessen schon auf mich wartete.

      Kiewer Höhlenkloster – Pecherska Lavra

      Da das gute Wetter leider nicht anhielt blieb ich einen Tag einfach in der Wohnung von Andrii um mal wieder einen Schlaftag einzlegen. Am nächsten Tag war das Wetter noch nicht besser aber ich war fest entschlossen noch die Kiewer Höhlenklöster zu sehen. So verabredete ich mich mit John, der immer dankbar über irgendwelche Pläne war. So fuhren wir mit dem Bus von der Pecherskaya Metro Station an die Bushaltestelle Kyevo-Pecherska Lavra. Für etwa 2€ Eintritt (Studenten 25 UAH) kamen wir an einen sehr imposanten Ort voller goldener Dächer, Kirchgebäude, Museen und Statuen. Der Eintritt von 1€ in das Mikro-Miniaturen Museem war jeden Cent wert. Unter großen Lupen waren so detaillierte Miniaturen und sogar ein Flo, der Goldschuhe an hat, war zu sehen.

      Pecherska Lavra besteht aus zwei Teilen. Ein Teil ist von der Stadt Kiew und der andere von der orthodoxen Kirche. Das Gelände ist riesig und so vergaß ich total die Höhlen, die wohl sehr interessant sein müssen. Leider waren John und ich zu spät dran, da diese schon um 16:30 schließen. Trotz allem waren die vielen Kirchgebäude und Museumsstücke (Orginal Dokument von Napoleon, Alexander I sein Mantel) sehr sehenswert. Nicht umsonst ist das Gelände UNESCO Weltkulturerbe.

      Kiew (09.08-10.08): Transitaufenthalt bei WG-Kumpel Iaroslav’s Freunden

        Von Chisinau nahm ich den Nachtbus,  der mich für 17€ fast 500km nach Kiew brachte. An der ukrainischen Grenze wurden alle Gepäckstücke durchsucht und Fragen gestellt, wo man hin will etc. Wieder einmal war ich froh um mein gebrochenes Russisch, dass mir eine längere Prozedur ersparte.

        Mein WG-Mitbewohner und Kumpel Iaroslav, der aus der Ukraine kommt hat mir bei seinem Freund Andrii eine Unterkunft verschafft und so holt mich Andrii pünktlich um 06:00 Uhr an der Hauptbusstation in Kiew ab. Wir gingen mit der Metro zu ihm und er richtete sofort etwas zu Essen. Da ich zwei Nächte in nicht allzu komfortablen Nachtbussen verbracht hatte war statt Sightseeing schlafen angesagt. Abends gingen wir zu einem Kumple von Andrii und tranken ein bisschen. Andrii  und Sascha mit Freundin und noch ein Kumpel von ihnen. Am nächsten morgen musste ich früh zum Flughafen. Da traf es sich schlecht, dass wir um 4 zurück bei Andrii waren und um 6 das Taxi kam. Noch etwas verschlafen und leicht angetrunken setzte ich mich ins Taxi und fuhr zum Borispol Flughafen.

        Dort checkte ich schnell und ohne Probleme für den Ukraine Airlines Flug nach St. Petersburg ein. Ich wurde gefragt, ob ich einen bestimmten Platz bevorzuge. Ich schnappte mit die Sicherheitsausgangsreihe für mehr Beinfreiheit und hatte im Flugzeug, das leicht verspätet startete, dann sogar die ganze Reihe für mich. Also legte ich mich quer auf die drei Sitze und schlief bis auf den kurzen Snack (Brötchen mit Schinken und drei Gläser Wasser).