Baku (10.09-16.9): Die Hauptstadt des Feuerlands Aserbaidschan – Kontrast der Moderne und Tradition

    Visum mit Hindernissen

    Nachts um 04:00 kam ich mit +3h Zeitverschiebung in der Hauptstadt Azerbaijans an. Es war nicht ganz sicher, ob ich diesen Flug hätte nehmen können, denn was ich nicht wusste ist, dass man ein Visum für die Einreise beantragen muss. Das versuchte ich über lange Zeit. Zuerst eine Agentur in Azerbaijan, die nie wieder etwas was von sich hören lies. Danach ein eVisa in Kiew. Leider hatte ich auch bei dieser Botschaft mit den Öffnungszeiten kein Glück. Dann die Botschaft in Zagreb, bei der ich nachdem ich alle Dokumente, die auf der Website aufgelistet waren zusammen hatte, erfuhr, dass nur kroatische Bürger hier ein Visum bekommen können. Was tun!? Ich suchte wieder eine Agentur aus der offiziellen Liste des Azerbaijanischen Ministeriums für Tourismus heraus und rief bei vielen an. Einige gab es nicht mehr, andere wollten, dass ich irgendetwas buche bevor ich den Visa-Service nutzen kann aber eine fand ich, die mir weiterhalf.

    Der Mitarbeiter bei Billurtur sagte mir, dass es zwar unwahrscheinlich sei, dass ich mein Visum in 5 Tagen (incl. Wochenende) bekäme, da aus Erfahrung ein Visum ca. 7 Werktage braucht und offiziell 15 Tage als Richwert angegeben werden. Aber er meinte wenn ich das Geld sofort über Western Union schicke und alle Dokumente am selben Tage schicke könnnen wir es probieren. Gesagt getan. Ich wartete bis Samstag Nachmittag und sah ein, dass es wohl kaum möglich ist das Visum in 3 Tagen zu bekommen und so kam die Entscheidung meinen Flug umzubuchen. Ich war bereits beim letzten Schritt der Umbuchung, den Sicherheitscode der Kreditkarte eingegeben fehlte nur noch ein Klick zur Umbuchung, als ich dachte: „Ok schau ich nochmal kurz in meine Mails.“ Eine etwas größere Mail kam an und als ich den Titel sah konnte ich meinen Augen nicht glauben: „e-Visa approved!!!“

    Anunft in Baku

    So kam ich mit einem gültigen Visum an und musste von 4 Uhr bis morgens warten, dass der Couchsurfinghost Arif aufwacht. Am Flughafen handelte ich so lange mit dem Taxifahrer, bis er mich für 7,50€ an die Adresse von Arif brachte, der mir später erzählte, dass selbst er, der Azeri spricht noch nie weniger als 9€ bezahlt hat. Um 5 Uhr kam ich an der Wohnung an und da die Gegend um diese Zeit recht tot war entschloss ich mich im 5 Sterne Hotel Ambassador nachzufragen ob ich mich dort ein bisschen ausruhen und ertwas trinken kann. So wurde ich mit meinem Backpack in den Diné Saal mit Kronleuchtern geführt und bekam ein Glas Orangensaft. Ich konnte den Laptop aufladen und ins Internet. Später wurde das Glas wieder aufgefüllt und ich dachte noch: „Mann, das wird teurer.“ Als ich dann später nach der Rechnung fragte meinte der Kellner, dass es nichts kostet. So hatte ich die Zeit bis 8:00 morgens recht angenehm mit 5 Sterne Komfort und dazu noch kostenlos verbracht bis Arif mich dort abholte.

    Ich schlief den ganzen Tag, da es draußen stürmte und abends gingen wir mit einer von Arifs Bekannten traditionell Essen. Lyulya kabab, Spieße vom Lamm, gegrilltes Hähnchen und Beilagen.

    Baku: Sightseeing

    Auch am nächsten Tag steckten mir noch die 3h Zeitverschiebung in den Knochen aber ich konnte mich immerhin aufraffen gegen 15:00 Uhr in die Stadt zu kommen. Dort traf ich Jemile, eine junge Azeri, die mir über CouchSurfing angeboten hatte mir die Stadt und die Umgebung zu zeigen, da sie gerne ihr Englisch verbessern will. Durch sehr hilfsbereite Azeris, die mir ihr Handy zum Telefonieren borgten und mir den Weg zeigten traf ich mich mit Jemile nahe der Bierhalle am Boulevard. Sie zeigte mir die Altstadt und den Palastkomplex der Shirvanshah Dynastie, der zur Liste der Weltkulturerbe zählt. Die Hauptstadt Baku spiegelt ein bisschen die Mentalität und Kultur des Landes wider. Modernes Äußeres aber sehr traditioneller Kern. Die Altstadt ist ein Labyrinth aus kleinen verwinkelten Straßen von denen aus jedoch stets im Hintergrund die Wolkenkratzen und natürlich die berühmten Flame Towers, die Flammentürme zu sehen sind. Genauso sind die Menschen. Nach außen sind sie modisch gekleidet, Frauen schminken sich stark, tragen Miniröcke, kurze Kleider und High-Heels. Aber Frauen dürfen abends nicht alleine raus während die Männer sich vergnügen und es wird streng drauf geachtet, dass die Frauen pünktlich zu Hause sind. So musste zum Beispiel auch Jemile, die geschiedene alleinerziehende Mutter ist um 20:00 Uhr bei den Eltern sein um keinen Ärger zu bekommen. Feiern war sie noch nie in Baku und die einzigen Ausnahmen sind Familienfeiern und Hochzeiten.

    Sie war eine super Reiseführerin und hatte Legenden, geschichtliche Fakten und Stories zu den Orten in Baku parat. Vorbei am Maiden Tower, wo sich der Legende nach das Wasser weiter zurückzog nachdem sich die Tochter des Königs ins Wasser gestürzt hatte, betraten wir die Altstadt mit Museen, königlichen Gebäuden und Moscheen. Danach liefen wir vorbei am goldenen Brunnen vor der Philharmonie herunter an den Strand-Boulevard und Richtung der Cristal Hall, die für den Eurovision Songcontest in Baku gebaut wurde, immer mit Blick auf die Flame Towers.

    Am Tag darauf schauten wir nach einem traditionellen azeri Mittagessen (Dushbere, Dolma, Baklava) den Bereich um die Flame Towers an. Die Flammentürme Bakus sind vier gläserne Giganten, die über Baku thronen und wie eine Flamme oben spitz und unten breit sind Nachts leuchten sie in den Farben der Landesflagge und danach als riesige Feuer. Sie symbolisieren das Land, das übersetzt auch Land des Feuers heißt, da es viel Erdöl und Gas gibt. Direkt gegenüber den Flammentürmen steht das Parlament und Richtung Meer ist ein großen Grab und eine türkische Moschee als Mahnmal für die Schlacht 1918 zwischen Türken (die Aserbaidschan verteidigten) und Armeniern. Außerdem gibt es eine Gedenkstätte für das Massaker der Sowjets, die 1990 mit ihren Panzern friedlich gesinnte Zivilsten in den Tod mitnahmen. Das erste Grab ist besonders, da es das einzige ist auf dem zwei Personen abgebildet sind. Der Grund ist, dass die Frau sich vergiftete, da sie den Tod ihres Mannes nicht ertragen konnte und so wurde ihr Wunsch erfüllt zusammen begraben zu werden. Weiter Richtung Meer steht die „Eternal Flame“, eine nie erlöschende Flamme. Nach einem letzten abendlichen Blick auf die Flame Towers fuhren wir mit der Seilbahn wieder runter zum Strandboulevard und tranken noch einen traditionellen Tee mit sehr süßen Früchten in Sirup.

    Yanar Dag: Der brennende Berg im Land des Feuers

    Das Land des Feuers war auch das Motto des Ausflugs am nächsten Tag. Jemile und ich fuhren mit dem Bus nach Yanar Dag, übersetzt der brennende Berg. Vorbei an Ölbohrfeldern und ärmlichen Dörfern kamen wir in der Wüste an und schauten uns das natürliche Feuer am Fuße des kleinen Berges an. Auch wenn dies faszinierend war gab es nicht viel anderes zu sehen und so fuhren wir auch nach einer halben Stunde wieder zurück. Abends ging ich mit Arif und seinen Freunden etwas feiern. Es war eine internationale Runde und hat wirklich Spaß gemacht, allerdings war um ca. 2:30 in den meisten Läden nichts mehr los.

    Baku bei Nacht

    Am Sonntag schlief ich lange und es kam dann noch eine CouchSurferin bei Arif an, die ich wehen meinem Bärenschlaf nicht einmal bemerkt hatte. Erst abends sah ich sie und war ich überrascht, dass ich nichts gehört hatte. Ich kochte etwas und aß mit Arif, Jemile und Cenge zu Abend. Danach zeigte ich Cenge die Altstadt und den Bereich um die Flametowers bei Abend.

    Comments are closed.