Asien

Sasan Gir Nationalpark (06.4-08.4): Das Rückzugsgebiet der einzigen Löwen Asiens

    Nach einer anstrengenden Rollerfahrt über die holprigen Straßen Gujarats kam ich in Sasan Gir, dem kleinen Örtchen am Eingang des Gir Löwen Reservats an. Ich suchte mir ein schönes Resort mit Pool, da ich den heißen Tag mit einer schönen Erfrischung verbringen wollte. Am nächsten Morgen sollte man theoretisch um 4 Uhr für die Tickets der 06:30 Safari anstehen. Um 05:20 stellte ich mir den Wecker, machte mich schnell zurecht und stieg auf meinen Roller mit dem ich in die Morgendämmerung losheizte. Vor dem Buchungsbüro war schon reges Treiben. Ich fragte eine Touristin, die zufällig auch aus Deutschland kam, ob ich noch mit einsteigen kann und siehe da, musste ich doch nicht um 04:00 Uhr anstehen. Manche Inder regten sich ein bisschen auf, dass ich erst gekommen war und schon ein Ticket bekam aber mir war das im Halbschlaf egal.

    Wir waren in einem Safari Jeep mit einer indischen Familie und dem offiziellen Guide. Und gleich nach 10 Minuten Fahrt hörte man den Löwen brüllen. Das Gebrüll schallte durch die Steppe des Gir Nationalparks und dann sahen wir in der Ferne. Ein männlicher Löwe lag dort und bewegte sich langsam um sich einen anderen gemütlicheren Platz zu suchen. Dann ging es weiter. Affen, Schakale, sehr viele Sambars und Wild. Und auf einmal streikte unser Jeep. Der Fahrer hatte vergessen zu tanken. Als gäbe es keine Löwen lief er los und kam nach mehr als einer halben Stunde mit zwei Flaschen Benzin zurück. So verloren wir die wertvolle Zeit und konnten keine Löwen mehr sehen.

    Etwas enttäuscht machte ich zusammen mit der deutschen Touristin den Plan, dass wir später noch einmal eine Tour machen würden. Eventuell die Nachmittagstour um 15:30 Uhr. Ich lud sie ein mit mir am Pool zu chillen bis wir wieder zum Ticket Office müssen. Natürlich nahm sie dankend an. Rosie ist Joga Lehrerin und hat eine Schwimmschule. Sie erzählte von der Selbstständigkeit und dass es schwierig ist solche Reisen zu planen. Aber nun hatte sie sich frei genommen und wollte zusammen mit ihrem Freund, der die nächsten Tage auch kommen sollte Indien zu bereisen.

    Ich sprach noch einmal mit dem Hotelmanager und er meinte, dass es viel besser sei die Safari am Morgen zu nehmen. So entschieden wir, dass wir es doch lieber am nächsten Morgen probieren. Und wieder hatte ich Glück und kam um das früh morgens am Buchungsschalter Stehen herum. Rosies Hotel war gegenüber dem Eingang und so konnte ich wieder gemütlich bis kurz vor 6 Uhr schlafen. Dieses Mal konnten wir etwas ganz besonderes beobachten. Den majestätischen Leoparden. Unser Guide war ganz aus dem Häuschen und er meinte, dass er nur ca. alle 2 Monate einen Leoparden sieht obwohl er täglich Safaris hat. Und diesem Mal sei er so nahe wie noch nie. Er war total happy und betonte immer wieder unser Glück. Leider blieb das Glück für die Löwen aus.

    Am Morgen hatte ich einen kalten Kaffee mit Milch und Eiswürfeln getrunken und leider spürte ich den Effekt. Mein Magen machte mir zum zweiten Mal in Indien Probleme. Trotz allem wollte ich zu den Löwen und so ging ich in die Devila Interpretation Zone, wo die Wahrscheinlichkeit sehr viel größer ist Löwen aus der Nähe zu sehen. Und tatsächlich, hier bekam ich ein paar sehr schöne Shots hin. Danach machte ich mich mit dem Roller wieder auf den Rückweg in das 150 Kilometer entfernte Diu, wo mein Gepäck verstaut war.

    Fahrt durch Gujarat (06.4): Rollerfahrt durch das ländliche Indien – Armut und ein anderes Leben

      Auf den Straßen des Staates Gujarat, die teilweise nicht einmal in Google Maps verzeichnet waren ging es vorbei am wahren Leben Indiens. Gujarat ist der westlichste Staat Indiens und liegt relativ im Norden an der Grenze zu Pakistan. Gujarat trägt auch den Titel Land der Legenden. Viele wichtige Personen wie Mahadma Ghandhiji waren dort. Außerdem steht einer der ältesten Hindutempel in Gujarat. Die asiatischen Löwen passen in dieses Bild der Mythen und Legenden.

      Meine Tour führte mich tatsächlich in die Vergangenheit. Durch mittelalterlich anmutende Dörfer fuhr ich auf gut Glück in Richtung Sasan Gir Nationalpark. Wenn ich kurz anhielt kamen die Leute hergelaufen und starrten mich einfach nur an. Sie konnten sich ja nicht mit mir verständigen, also standen Sie da mit großen Augen und schauten mich einfach nur an. Wenn ich weiterfuhr liefen mir die Kinder winkend hinterher. Ich war eine große Attraktion und für mich war es sehr interessant das Dorfleben Indiens zu sehen. Bis spät in die Nacht fuhr ich auf den holprigen Straßen des Staates Gujarat bis ich mit der Hilfe eines Inders, der dort wohnte, in Sasan Gir, der Stadt am Eingang des Nationalparks, ankam.

      Diu (5.4-6.4): Typisch portugiesisches Fischerstädtchen behält den Charme der Kolonialzeit

        Nach einem angenehmen Flug mit Zwischenstopp in Mumbai kam ich in Diu an. Vom Flughafen aus wollten mich ein paar Rikaschahfahrer ziemlich übers Ohr hauen. Also fragte ich einfach eine indische Familie ob sie mich in ihrem Auto mitnehmen. Die Rikschahfahrer waren ganz schön sauer aber Pech gehabt. Wer einem Weltreisenden 20 fache Preise aufdrehen will und nachdem sie enttarnt waren immer noch nicht mit dem Preis runtergehen wollten hat es nicht anders verdient.

        Ich suchte mir ein Guesthouse Nähe des Strandes. Das kleine portugiesische Fischerstädtchen war etwas verschlafen aber ganz gemütlich. Ich kümmerte mich darum, dass ich mit einem Roller in den Sasan Gir Nationalpark fahren konnte, wo die einzigen asiatischen Löwen zu Hause sind. Alle rieten mir ab. Die Straßen zu holprig, der Weg zu weit, die Straße nicht befahrbar bei Nacht. Ich ließ mich nicht beirren. Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Roller ein bisschen durch die Stadt. Nach einem kleinen Stopp bei der Festung ging es zum Strand von Nagoa und dann startete meine spannende Überlandtour zum Nationalpark.